Toxic Feminism

Der Blogbetreiber, mittleren Alters und zugegebenermaßen nicht gerade das, was man auf dem Single-Markt als „preisgekrönte Sau“ bezeichnen würde, bewegte sich kürzlich auf den Ausgang eines öffentlichen Gebäudes zu, zeitgleich mit einer anderen Person, die, von außen betrachtet, meiner Einschätzung nach weiblich und 25 Jahre alt war, möglicherweise leicht adipös und flippig.

Mit anderen Worten: Fette Kuh mit lila Haaren. Wie auch immer. Hätten wir unsere Bewegungspläne nicht geändert, wären wir gleichzeitig in diese Tür gelaufen, und hätten gleichzeitig unsere Hände übereinander legen müssen, um den Türknopf anzufassen. Um die Tür zu öffnen.

Gentleman der alten Schule, der ich bin (aber ab heute nicht mehr), wagte es, sich ein wenig schneller zu bewegen, um der Milka-Kuh die Tür aufzuhalten. Was glauben Sie, wie die junge Dame darauf reagiert hat?

„Pff, also echt!“, mit genervtem Blick.

Ok, ok. Wie gesagt, Ihr werter Blogbetreiber hält sich selbst nicht für Justin Bieber, so von außen gesehen. Auch nicht für sonst irgendwie wen, der mit seinem Aussehen Geld verdienen könnte. Fein. Aber so ne Reaktion, nur wenn einer die Tür aufhält??

Was ist das? Modernener Feminismus? Jemanden anzupissen, weil er einem die Tür aufhält, weil er zufällig selber durch diese Tür geht??

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The Orville – Pflicht für jeden ECHTEN Trekkie!

Sorry, werte Besuchsperson, aber noch penetranter und abgegriffener konnte ich die Überschrift nicht gestalten. Bei The Orville handelt es sich um eine US-amerikanische Science-Fiction-Serie, deren erste Staffel 2017 erstausgestrahlt wurde. Inzwischen ist eine 3. Staffel in Produktion. Bei uns lief sie bisher mit mäßigem Erfolg im Pro7-Abendprogramm. Wo sie angesichts des Zielpublikums dieses Senders überhaupt nichts zu suchen hat. The Orville gehört auf Tele 5.

Die Orville-Crew

Ihr werter Blogbetreiber ist Trek-Fan. Ich hab zwar keine Föderationsuniform im Schrank hängen, habe aber jede Folge aller Star-Trek-Serien mindestens ein Mal gesehen, mit Ausnahme von Star Trek Discovery (STD). Weil Star Trek Discovery keine Star-Trek-Serie ist, sondern „Star Trek“ nur im Titel hat. So wie die Riesenechse in Godzilla 1997 nicht Godzilla war, und der Typ im rot-blauen Anzug in Man of Steel nicht Superman war.

Deshalb sage ich in der Überschrift auch „ECHTEN“. Damit meine ich jene, die mit Raumschiff Enterprise (TOS=The Original Series) groß geworden sind und als Erwachsene begeistert waren von Star Trek – Das Nächste Jahrhundert (STNG=Star Trek Next Generation). Das war die mit Captain Picard, Data und Worf.

In den 90ern gab es auch noch Star Trek Deep Space 9 (DS9), die meiner bescheidenen Meinung nach beste Star-Trek-Serie bislang. Dann kam Raumschiff Voyager (VOY), da gab’s auch ein paar sehr gute Folgen, die meisten davon mit dem Holo-Doc und Seven of Sex, äh, ich meine, Nine. In den 2000er Jahren startete dann die Serie Enterprise (ENT), die nach 4 Staffeln völlig zurecht eingestellt wurde. ENT war langweilig, weil die Storys größtenteils miserabel geschrieben waren. Schade, weil die Charaktere eigentlich sehr gut waren.

Was ist der Plural des Wortes „Ära“?

Aber immerhin war ENT nur langweilig. Nicht Zum-Haare-Raufen ärgerlich und doof. Wie Star Trek Discovery. Wie doof, hatte ich hier schon beschrieben. Ich habe mir STD nicht weiter angeguckt, und wenn man sich anschaut, wie sehr diese Serie vom Internet gehasst wird, scheine ich auch nicht viel zu verpassen.

Wir unterscheiden bei Star Trek also zwei Ären (ja, liebe Kinder, das ist der korrekte Plural von „Ära“): Das „alte“ Trek und das „neue“ Trek. Das neue Trek besteht aus STD und den drei letzten Star-Trek-Filme, von denen nur der letzte gut war. Das alte Trek ist alles davor. So, und hier kommt The Orville ins Spiel.

The Orville, benannt nach dem Raumschiff, mit der die Crew durchs All tuckert, ist keine Star-Trek-Serie, aber sie ist genau WIE eine Star-Trek-Serie. Und zwar wie eine „alte“ Trek-Serie. Während es im neuen Trek nur noch darum geht, Szenarien zu entwickeln, in denen Raumschiffchen hin und her sausen und mit Laserstrahlen PIU-PIU machen, ging es im alten Trek IMMER um eine interessante Geschichte. Und genau das macht The Orville. Ich erzähl Ihnen gleich eine davon.

Seth MacFarlane ist nicht lustig

Stimmt, Zwischenüberschrift, ist er nicht. Zur Info: Seth MacFarlane ist der Erfinder von Family Guy, American Dad und The Cleveland Show. Ich kann seinen Humor nicht ausstehen. Und deshalb habe ich auch etwas länger gebraucht, mich zu überwinden, mir The Orville mal anzugucken. Weil The Orville von Seth MacFarlane ist. Und die Witze in The Orville sind typisch für ihn: nicht witzig.

Aber in The Orville stehen die Witze glücklicherweise nicht im Mittelpunkt. Sondern besagte Geschichten. Und die sind wirklich so, als hätte man die Autoren von STNG per Zeitmaschine nach heute befördert. Storys, die einen zum Nachdenken bringen. Bei denen man – und das hat mich am meisten überrascht, weil ich das von zeitgenössischen Film- und TV-Produktionen gar nicht mehr kenne – etwas FÜHLT.

The Orville – Staffel 1, Folge 7: Majority Rule („Mehrheitsprinzip“)

Bevor ich Ihnen den Inhalt dieser Folge schildere, lassen Sie mich erwähnen, dass ich kürzlich auf Facebook eine Diskussion hatte mit Leuten, die glauben, dass das Internet „demokratisch“ sei. Irgendwer hatte in der einen Facebook-Gruppe wieder mal absoluten Müll gepostet, nämlich seine destruktive, nichts mit dem Thema zu tun habende persönliche Meinung. Ungefähr nach dem Motto „Alle, die auf [Thema der Gruppe] stehen, sind schwule Spastis, die keine Ahnung haben“.

Die anderen Mitglieder der Gruppe sagten „Tja, so ist das eben im Internet, hier ist halt Demokratie.“ Obwohl ich diese unaufgeregte Haltung der Beleidigten zu schätzen wusste, muss ich doch sagen: Nein, ist es nicht. Das Internet ist keine Demokratie. Das Internet ist der Epoche der Hexenverbrennungen viel ähnlicher als irgendeiner Demokratie. Nichts macht das deutlicher als diese Orville-Folge.

Die Orville-Crew landet auf dem „Youtube-Planeten“. Die Bewohner des Planeten sind auf unserem derzeitigen technologischen Stand, sind also quasi wie wir, nur haben sie eine ganz besondere Form der „bürgerlichen Regierung“: Alle Bürger sind verpflichtet, einen Like-Dislike-Gerät an der linken Brusttasche zu tragen. Das Gerät hat zwei große Knöpfe: einen roten Pfeil nach unten und einen grünen Pfeil nach oben. Zudem zeigt das Gerät an, wieviele Likes und Dislikes die Person hat, die das Gerät trägt.

Man kann also bei jedem hingehen und auf seinen Like- oder Dislike-Button drücken. Macht dir einer ein Kompliment über deine neue Frisur, kannst du auf seinen Like-Button drücken. Wirst du im Cafe unfreundlich bedient, drückst du beim Kellner auf den Dislike-Button. Aber nicht nur das: die Like/Dislike-Buttons sind überall. Auch am Fernseher. Siehst du in der Glotze nen Typen, den du unsympatisch findest, drückst du an deinem TV-Gerät den Dislike-Button, und der Dislike-Zähler der Person steigt um 1. Zudem darf jeder auf diesem Planeten ständig jeden mit seinem Handy filmen. Wenn du also beim Nasebohren gefilmt wirst, steht das Video ruckzuck im Internet, und du kassierst dafür 10.000 Dislikes.

Nun ist es auf diesem Planeten so, dass du ab einer Million Dislikes nicht mehr in Läden bedient wirst. Und wenn du 10 Millionen Dislikes hast, kommst du auf eine Art elektrischen Stuhl und wirst lobotomisiert. Um dich zu einem massenkompatiblen, vorbildlichen Staatsbürger zu machen, der kritiklos alles und jeden mag, zu jedem immer nett ist und alles super findet. Mit anderen Worten: Bei 10 Millionen Dislikes wird deine Persönlichkeit gelöscht.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Orville-Crew in dieser Folge auf der Suche nach einem Wissenschaflter ist, der auf diesem Planeten verschollen ist, und sich inkognito auf den Planeten begibt, weil deren Einwohner noch keine Ahnung davon haben, dass es Außerirdische gibt. Blöderweise weiß die Crew erstmal nicht Bescheid über diese besondere Form der „Demokratie“ auf diesem Planeten, und ein Crewmitglied macht so was ähnliches wie in der Öffentlichkeit in der Nase bohren. Dabei wird er gefilmt … ich will jetzt nicht die ganze Folge erzählen, auf jeden Fall landet das Crewmitglied (es heißt John) am Schluss auf dem Lobotomie-Stuhl.

OMG! Wird John lobotomisiert werden?! Wird sein Gehirn so lange gebrutzelt werden, bis er nur noch ein sabbernder Ja-Sager ohne Persönlichkeit ist?? Oder wird es der Orville-Crew in letzter Sekunde doch noch gelingen, John aus dieser misslichen Misere zu befreien? Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein!

Die Gaststars

Wenn Sie ein „alter“ Trekkie sind wie der Blogbetreiber, kriegen Sie schon Tränen in den Augen, wenn im Vorspann der Folgen die Namen der Beteiligten genannt werden. Liam Neeson, Charlize Theron und – Bruce Willis. Natürlich geben sich die Stars der alten Trek-Serien auch reihenweise die Klinke in die Hand: Penny Johnson Gerald spielt den Doktor des Schiffes, das ist die Freundin von Commander Sisko aus DS9. Tim Russ (Tuvok aus VOY), Robert Picardo (der Doc aus VOY) und Marina Sirtis (STNG) treten in Gastrollen auf. Auch John Billingsley, Doktor Phlox aus ENT.

Aber nicht nur bei den Namen der Schauspieler haut’s einen weg. Auch hinter der Kamera stapeln sich Personen, bei denen dem Trekkie das Herz aufgeht: Jon Favreau (Iron Man, Avengers Infinity War), Robert Duncan McNeill (Tom Paris aus VOY), Brannon Braga (Erfinder der Borg), Jonathan Frakes (Commander Riker aus STNG).

Warum ist eigentlich alles so krank bei Star Trek derzeit?

Also, warum hassen alle das neue Star Trek, und lieben The Orville? Ist nicht einfach zu erklären, aber ich versuche mal eine Kurzfassung. Die Filmfirma, die das alte Star Trek gemacht hat, heißt Paramount. Die wurden irgendwann aufgekauft von CBS. Der damalige Chef von CBS, Sumner Redstone, fand aber Star Trek immer doof und hatte kein Interesse daran, ST irgendwie weiter zu machen.

Stattdessen hat er Teilrechte verkauft. D.h. die Rechtekäufer durften Sachen mit dem Titel „Star Trek“ machen, aber diese Sachen mussten sich zu mindestens 25% von den Original-Sachen unterscheiden. Warum? Spielzeug! Oder auch genannt: Merchandise. Plastikfiguren, Poster, T-Shirts. Die alten Original-Figuren von Captain Kirk, Spock, Captain Picard und Seven of Sex, äh, ich meine, Nine, verkaufen sich heute immer noch wie geschnitten Brot. Daran hatte CBS aber nicht die Rechte gekauft.

Der Chef von CBS wollte also NEUE Figuren verkaufen: Den Chris-Pine-Kirk und den Zachary-Quinto-Spock. Und T-Shirts mit der USS Discovery drauf. DESHALB und nur aus DIESEM Grund hatte der alte CBS-Sack die Rechte an Star Trek gekauft. Tja, schade, alter Sack. Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Keiner kauft dein Merch.

Die Macher von The Orville andererseits interessiert das Merch-Geschäft nicht. Die erzählen erstmal nur gute Sci-Fi-Storys, wie das alte Trek. Und ich sag’s Ihnen ehrlich, werte Besuchsperson: Ich stelle mir eher einen Papp-Aufsteller von John in meine Wohnung (der Typ, der fast lobotomisiert wurde … ach, verdammt, jetzt hab ich gespoilert, Entschuldigung), weil der ist ein cooler, sympatischer Typ. Ein Papp-Aufsteller von Michael, der Hauptfigur von STD, würde ich nicht mal geschenkt nehmen.

So. Zusammenfassung: Guckst du The Orville, wenn du bist Trekkie. Die Schauspieler sprechen sehr verständliches Englisch (nuscheln nicht rum), deutsche Untertitel können nach Bedarf hinzu geschaltet werden. Weil aber fast der ganze Humor, soweit man von Humor bei MacFarlane sprechen kann, auf Wortwitzen und Popkultur-Bezügen beruht, sollte man sich die Audio-Originalfassung geben.

Wie fanden Sie diesen Beitrag, werte Besuchsperson?

Tank you!

An alle Blogbesucher, die dem Blogbetreiber schon seit dem ersten Tag (der ist jetzt 10 Jahre her) so treu folgen, ich hab extra ein GIF gemacht für Sie!

Ich muss jetzt mal diesen Post auf Facebook teilen, und gucken, ob Facebook sich dieses GIF als Vorschau zieht. Würd mich wundern, wenn’s es täte, aber wer weiß. Schau mer mal.

Das GIF ist übrigens aus Kung Fury. Ich erklär hier jetzt nicht nochmal, was das ist.

Sorry, aber ich muss dann doch mal auch noch mein Maul aufreissen wegen Artikel 13

Artikel 13, Upload-Filter, unsere Freiheit ist in Gefahr, CDU ist unwählbar, blablabla. Sie wissen eh Bescheid, worum’s geht. Falls nicht, sind Sie ein CDU/CSU-Wähler, der nicht weiß, was Youtube ist, dem die technologische Zukunft Ihrer Kinder völlig schnuppe ist, und der niemals Pornoseiten besucht. Mit anderen Worten:

Herzlich willkommen im CommuCon, Frau Monika Hohlmeier!

Weil ich keinen Bock hab, alles nochmal auf deutsch zu wiederholen, was ich hier schon geschrieben hab zum Thema Artikel 13, poste ich hier nur den Link dahin, was ich eh schon geschrieben hab zum Thema Artikel 13.

Aber ich möchte dem, was ich dort auf Englisch rade-gebrecht hab, noch lustige Zitate hinzufügen:

Axel Voss, CDU, im Interview mit vice
Aber bei Google, da gibt’s ja noch die Seite, wo man Memes anklicken kann, eine richtige Rubrik.
https://www.vice.com/de/article/vbw8zy/streit-um-uploadfilter-und-artikel13-wie-axel-voss-das-internet-sieht
Dieser Herr glaubt, bei Google gibt es eine Seite, wo man Memes anklicken kann. Und dieser Herr ist derjenige, der über die digitale Zukunft VON UNS ALLEN entscheidet.
Und unseren Kindern.

Wie Axel Voss das Internet sieht. Auf Google gibt’s da die eigene Rubrik „Memes“. Gell, Herr Voss von der zukunftsweisenden CDU?

Daniel Caspary, CDU, im Interview mit Bild
Nun wird offensichtlich versucht, auch mit gekauften Demonstranten die Verabschiedung des Urheberrechts zu verhindern. Bis zu 450 Euro werden von einer sogenannten NGO für die Demoteilnahme geboten. Das Geld scheint zumindest teilweise von großen amerikanischen Internetkonzernen zu stammen. Wenn amerikanische Konzerne mit massivem Einsatz von Desinformationen und gekauften Demonstranten versuchen, Gesetze zu verhindern, ist unsere Demokratie bedroht.
https://www.bento.de/politik/gekaufte-demonstranten-artikel-13-gegner-wuetend-ueber-anschuldigungen-eines-cdu-politikers-a-1f6394c8-d74b-46e1-a405-b0ed6a07a0c2
Genau, Herr Caspary: In Wahrheit ist es so, dass NIEMAND auf der ganzen Welt was gegen den großartigen Artikel 13 hat. Das KANN gar nicht sein. Eher kauft Google Demonstranten für 450 Euro pro Stück ein, als dass irgendwer was gegen Ihren bombastisch phänomenalen Artikel 13 hätte.

Sven Schulze, CDU, twittert
Jetzt kommen wieder sekündlich Mails zum Thema #uploadfilter & #Artikel13 rein. Mal ganz davon abgesehen, dass diese inhaltlich nicht richtig sind, stammen ALLE von #Gmail Konten. Mensch #google, ich weiß doch das ihr sauer seid, aber habt ihr diese #fake Aktion wirklich nötig?
https://twitter.com/schulzeeuropa/status/1096445520770404352?lang=de
Wie Herr Caspary ist auch Herr Schulze überzeugt: Artikel-13-Gegner existieren in Wirklichkeit gar nicht. Alles Bots. Oder bezahlte Demonstranten. Die dafür bezahlt wurden, dass sie Schilder hochhalten, auf denen steht „Ich bin kein Bot!“.

Die EU-Kommission, auf der Blogging-Plattform Medium
Die Urheberrechtsrichtlinie: Wie der Mob aufgefordert wurde, den Drachen zu retten und den Ritter zu töten
https://www.golem.de/news/uploadfilter-eu-kommission-bezeichnet-reformkritiker-als-mob-1902-139435.html
Die EU-Kommission bezeichnet hier die Gegner ihrer „Reformen“ als „Mob“. Also: Alle, die Artikel 13 nicht wollen. Wie ich zum Beispiel. Ich bin der Mob für „meine“ EU-Volksvertreter. Sie vielleicht auch. Außer Sie sind Monika Hohlmeier. Dann nicht.

Noch nie war Ihr werter Blogbetreiber so geil drauf, bei der nächsten EU-Wahl ab dem 23. Mai das Kreuz bei der Piratenpartei zu machen, weil die Julia Reda die Einzige ist, von der ich mich vertreten und als Wähler ernst genommen fühle.

Gucken Sie statt Captain Marvel lieber gratis Spawn Animated Series

Kurz-Zusammenfassung dieses Beitrags: Geben Sie kein Geld aus für den aktuellen Captain-Marvel-Film. Bleiben Sie zuhause und schauen Sie gratis Spawn – The Animated Series.

Prolog

Der Blogbetreiber hatte so 2008 rum mal Zank mit dem Mod eines deutschen Science-Fiction-Forums. Ich wurde von besagtem Mod abgemahnt, weil ich einen Youtube-Link zu einem vollständigen Retro-SciFi-Film gepostet hatte. Aus dem Gedächtnis zitiert:

Mod: Bitte poste hier solche Links nicht mehr.
Ich: Was meinst du mit „solche Links“?
Mod: Urheberrechtlich geschützte Filme.
Ich: Der Film ist Public Domain.
Mod: Mir egal, von wem der Film ist,  ich kann hier nicht jeden Link zu Youtube rechtlich überprüfen.
Ich: OK, dann machen wir das in Zukunft so: Ich lege jeden Beitrag, den ich in deinem Forum posten möchte, vorher meinem Medienrecht-Anwalt vor.
Mod: OK.

Resistent gegen Ironie zu sein, macht einem das Leben schon leichter irgendwie. Jedenfalls wurde es dem Blogbetreiber da eh zu bunt mit diesem öden Forum, und er eröffnete seine eigene Blabla-Plattform, wo ihm keine überforderten Mods ständig reinquakten: Ta-Daa! Der Communication Container ward gebor’n!

Ich erwähne das auch nur, um mir selbst nochmal die Gelegenheit zu geben, Sie, werte Besuchsperson, darauf hinzuweisen, dass es diesen Blog jetzt schon seit 10 Jahren gibt. Happy Birthday to me!

Egal. Jedenfalls:

Riesen-Bohei um Captain Marvel derzeit im Internet. Ich will Sie da nicht mit Details belästigen, denn damit würde ich Sie eh nur … äh … belästigen. Nur soviel, damit Sie ein bisschen im Bilde sind, worum’s bei diesem Captain-Marvel-Bohei eigentlich geht: Es geht um Versuche großer Konzerne (hier Disney), freie Meinungsäußerung zu unterdrücken – die auch tatsächlich funktionieren.

Aber die Unterdrückung freier Meinungsäußerung durch Konzerne, die in der Praxis funktionieren, muss Sie als Endkonsument ja nicht unbedingt beunruhigen. Wenn Sie es vorziehen, durch Passivität ein System zu fördern, dass Zensur …

Herrgottsakra, komm endlich zur Sache, Blogbetreiber!

Wie unhöflich von dir, H3-Überschrift, mich so rüde zu rügen für meinen Free-Speech-Crusade! Aber du hast Recht. Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn Ihnen langweilig ist, und Sie was für Comic-Verfilmungen übrig haben, verschwenden Sie kein Geld für den Captain-Marvel-Film im Kino. Lohnt sich nicht.

Bleiben Sie stattdessen daheim und schauen Sie sich lieber umsonst auf Youtube Spawn – The Animated Series an.

Stundenlange Gratis-Comic-Unterhaltung vom Feinsten, auf (im Vergleich zum Captain-Marvel-Film) hohem Niveau, völlig gratis. Entweder jetzt direkt oder ich klär Sie vorher noch auf, wer oder was Spawn eigentlich ist.

Spawn

Spawn ist ein Superheld. Nein, nicht ganz. Er ist ein Anti-Held. Aber super. Er ist so ne Art Faust (der von Goethe), aber als Superheld. Spawn hat, wie Faust, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Alles Weitere zu erklären, wäre schon Spoilern. Nur so viel: Es wäre übertrieben, Spawn als „anspruchsvoll“ zu bezeichnen – aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Story von Spawn weit „vielschichtiger“ ist als die der meisten seiner bekannteren Superhelden-Kollegen.

Spawn – der Film

Wenn Sie überhaupt schon mal was von Spawn gehört haben, dann ist es wahrscheinlich wegen dem grausligen … (lufthol) … GRAUSLIGEN Film von 1997.

Grauslig. Dieser Film ist genau daran gescheitert, weswegen heutzutage Filme wie Batman v Superman grandios scheitern, während die Avengers-Filme triumphieren: Der Comic-Fan sieht sofort, wenn der Film von Leuten gemacht wurde, die Comics VERSTEHEN – und wenn nicht. Und diese Begeisterung für Comics braucht eine Comic-Verfilmung, um auch beim breiten, nicht-Comic-affinen, Filmpublikum zu bestehen.

Spawn – The Animated Series

Ich empfehle Ihnen hier nix für Kinder. Das ist eine Adult Cartoon. Spawn – The Animated Series beinhaltet extreme Gewalt. Und Möppse. Mit beiden Elementen hält es der Blogbetreiber so: Wenn die Darstellung von Sex & Gewalt nicht nur Mittel zum Zweck sind, sondern eine erzählerische Funktion haben, habe ich kein Problem mit beidem.

Beispiel: Es gibt in Spawn – The Animated Series eine zentrale Figur, das ist ein Mafia-Boss. Diese Figur repräsentiert Macht und Korruption. In manchen Szenen ist dieser eklige, fette, schmierige, alte Mann von unbekleideten, verführerischen Schönheiten umgeben. Die verführerische Schönheit dieser Damen erzählt den Aspekt der Macht dieser Figur äußerst wirkungsvoll – und (am wichtigsten) ohne Worte: Wenn du Geld und Macht hast, kannst du dir ALLES kaufen.

Und nichts macht das deutlicher als gekaufte Möppse. Womit wir zum nächsten Thema kommen:

Nostalgie

Was einem bei der Durchsicht der Youtube-Reviews der üblichen, bekannten Film-Nerds bezüglich Captain Marvel schnell deutlich wird: Sie sind alle nicht sonderlich begeistert von Captain Marvel (dem Film, der Figur und ihrer Besetzung), aber sie alle finden die 90er-Jahre-Nostalgie in dem Film großartig. Blockbuster Video und Radio Shack (beides US-Ladenketten aus den 90ern) kommen in dem Film vor, und Samuel L. Jackson sieht per CGI auch wieder so aus wie in den 90ern.

Ist auch verständlich, weil die meisten dieser Film-Nerds Kinder waren in 90ern und daher offenbar gerne dazu tendieren, blind gegenüber der Tatsache zu sein, dass ein Konzern wie Disney sich absolut der Nostalgie-Marketing-Power bewusst ist, und Captain Marvel nur aus diesem Grund in den 90ern hat spielen lassen.

Fuck you, künstlich hergestellte 90er-Jahre-Nostalgie von Disney! Mit Spawn – The Animated Series haben Sie ECHTE 90er-Jahre-Nostalgie, weil die Spawn-Comics und die Serie ECHT aus den 90ern ist. Und um den Bogen zu Sex & Gewalt noch abzuschließen: In den 70ern, 80ern und 90ern war es noch erlaubt, Sex & Gewalt als erzählerisches Mittel einzusetzen.

In diesen 3 Jahrzehnten, vor den 2000er Jahren, war das noch erlaubt. Seit der Hippie-Bewegung der 1960er wurde die Darstellung weiblicher sekundärer Geschlechtsmerkmale toleriert. Bis in den 2000ern die Political Correctness die Herrschaft übernommen hat. Seitdem darf man eigentlich gar nix mehr. Auch nicht wirkungsvolle erzählerische Mittel benutzen.

Ok, ok, ich gebe zu: Zu oft dienten Möppse als Mittel zum Zweck in diesen 3 Jahrzehnten, und eben NICHT als erzählerisches Mittel. In Demolition Man von 1993 wählt Sylvester Stallone auf seinem Bildtelefon aus Versehen eine falsche Nummer und hat plötzlich eine nackte Blondine unter der Dusche auf seinem Bildschirm. Die offenbar auch ein Bildtelefon in ihrer Dusche hat … ??? Was überhaupt nix mit der Handlung des Films zu tun hat. Nur damit der Film auch Möppse hat. Traurig.

Genug gequasselt

Zurück in die ECHTEN 90er, zurück zu erzählerischen Medien, die noch wussten, wie man Blut & Möppse dazu benutzt, um eine interessante Geschichte zu erzählen. Nämlich die von Spawn. Schauen Sie mal rein, wenn Sie was mit Comics anfangen können. Auch der künsterlische Stil dieser Serie ist absolut sehenswert, und ich bin sehr froh, auf diesen kleinen Schatz auf Youtube gestoßen zu sein.

Per Zufall.

Das geht jetzt mal ernsthaft an die Adresse von Leuten, denen ich im Internet überhaupt nur folge, DAMIT sie mir solche Dinge zeigen: Wenn ich sowas eh selber finden muss (und Spawn – The Animated Series ist seit 7 Jahren online), wozu FOLGE ich euch dann überhaupt?

Nee, jetzt mal keine Ausreden hier, ihr selbsternannten deutschen Medien- und/oder Comic-Profis im Internet! Wenn ich solche Schätze wie diese und andere eh alleine finden muss, wozu hab ich euch dann abonniert überhaupt?! J’accuse!