Live-Premiere! Simpsons-Übersetzungs-Fail-Schauder!

Premiere im CommuCon! Der Blogbetreiber schreibt live! Während er fernsieht! Gerade im Feierabend-TV auf Pro7: Simpsons-Folge „Vier Enthauptungen und ein Todesfall“. Die hatten wir schon abgehandelt, Stichwort „Kernschmelze„.

Und DA ist sie, die Szene! Flanders schreit Homer an, „bitte nicht den Kernspaltungs-Knopf drücken!“ Während der Knopf deutlich beschriftet ist mit „Core Destruct„.

Und DA ist auch schon der Schauder, der mir immer über den Rücken jagt, jedesmal wenn ich einen dieser hochpeinlichen Komplettfails der Simpsons-Übersetzer angucken muss. Fachärzte nennen das „Nerdgasmus“.

*schauder*

Mit Norbert Gastell ist die Welt in Ordnung

Wir hier im CommuCon kennen alle hundertachtundzwanzigtausendmillionen Folgen der Simpsons, die meisten davon auch in der deutschen Synchronfassung. Und obwohl wir bei den deutschen Texten regelmäßig Schreikrämpfe kriegen, weil sie so fürchterlich inkompetent und schlampig übersetzt wurden, zumindest von 1994 bis 2006, ziehen wir den Hut vor den Synchronsprechern, die ja für die Texte nichts können.

Die Stimmen der meisten Hauptfiguren sind den Originalstimmen sehr ähnlich, bis auf eine Ausnahme: Homer Simpson. Wenn man von der deutschen Synchro auf das Original umschaltet, sticht dieser Unterschied deutlich hervor. Trotzdem sind wir der Meinung, dass der kürzlich verstorbene Norbert Gastell, der deutsche Sprecher von Homer Simpson, seinen Job hervorragend gemacht hat, obwohl er nicht wie der „echte“ Homer klingt.

Im Original hat Homer eine Stimme, an der man sofort erkennt: Der Mann muss sich um einen zu hohen IQ keine Sorgen machen. Sie klingt dumm. Nun ist es unfassbar schwer für einen Schauspieler, seine Stimme nach einem offenbar dummen Menschen klingen zu lassen, OHNE dass diese Stimme sehr schnell nervig wird für den Zuhörer. Dazu muss man das Talent haben.

Wir fanden und finden, die Wahl von Norbert Gastell als die deutsche Stimme von Homer war genau richtig. Er klingt zwar nicht so „dumm“ wie der echte Homer, aber das macht überhaupt nichts. Wir finden sogar, dass Gastell in vielen Szenen die Gefühle der Figur durch seine Stimme besser ausdrückt als der Originalsprecher Dan Castellaneta.

Nun hoffen wir natürlich, dass die zuständige Redaktion einen würdigen Nachfolger findet. Das scheint schwierig zu sein, aber sie haben es im Fall von Marge sehr gut hingekriegt, als Anke Engelke für Elisabeth Volkmann die Stimme von Miss Simpson übernahm. Wir bringen hier mal den Namen Max Giermann ins Spiel, den Sie vielleicht kennen als Parodist von Stefan Raab, Klaus Kinski und Markus Lanz.

Die Stimme Gastells hat uns die letzten 27 Jahre begleitet, und wie wir schon in unserem allerersten Beitrag über die schlechte Übersetzung der Simpsons sagten: Solange die Simpsons zu Feierabend auf Pro7 laufen, wissen wir, dass die Welt noch in Ordnung ist. Und zu diesem guten Gefühl gehört auch die Stimme von Norbert Gastell.

Simpsons-Übersetzungsfails: Die Flaschenhalsbrecherfabrik

Wieder so ein Begriff, bei dem sich der Blogbetreiber seit Jahren fragt: Was ist das eigentlich? Was wollten uns die Übersetzungskünstler der damaligen Simpsons-Synchro damit sagen? Die traurige Antwort lautet: Die Simpsons-Synchro war mal wieder so verzweifelt, dass sie einfach mal eben Begriffe erfand, die überhaupt keinen Sinn ergaben, und schon gar nichts mit der Original-Vorlage zu tun hatten. Genau wie bei den Büchern über Fernsehgeschichte, der Fabrik des Universums oder dem Humor-Unterdrücker.

Staffel 5, Folge 16: Homie und Neddie (Homer Loves Flanders)

Gleich zu Beginn der Folge berichtet Newsmoderator Kent Brockman in seiner Sendung Eye on Springfield von der Aufdeckung eines riesigen „Skandals“. Nicht weit von unseren eigenen Haustüren entfernt werden Männer zu Killer-Maschinen ausgebildet! Hier die Passage im Original:

Just miles from your doorstep, hundreds of men are given weapons and trained to kill. The government calls it the army. But a more alarmist name would be: The Kill-Bot Factory!

Das haben sie übersetzt mit:

Nur wenige Meilen von unserer Haustür entfernt werden hunderte von Männern ausgebildet, wie man mordet. Die Regierung bezeichnet das als Armee, aber ein Name, bei dem man eher aufhorcht, wäre die Flaschenhalsbrecherfabrik.

So. „Bot“ ist, unseres Wissens nach eine im Englischen gängige Abkürzung des Wortes „Roboter“. Eine adäquate Übersetzung von „Kill-Bot“ wäre also „Killer-Roboter“ oder „Killer-Maschinen“. Oder auch „Tötungs-Maschinen“. Oder „Mörder-Roboter“. Oder oder oder. Aber wie in Dreiteufels Namen kam die Synchro von „Kill-Bot Factory“ auf  „Flaschenhalsbrecherfabrik“?? Wo im Originaltext ist die Rede von „Flaschen“ oder „Flaschenhälsen“ oder „Flaschenhalsbrechern“?

Was sind Flaschenhalsbrecher? Sind das Personen? Ist das eine Art Berufstätigkeit? Arbeiten diese Personen in besagter Fabrik? Werden dort industriell Flaschenhälse gebrochen von professionellen Flaschenhalsbrechern?

Oder handelt es sich bei Flaschenhalsbrechern um Gegenstände oder eine Art von Werkzeugen, mit denen man Flaschenhälse bricht, und die in einer Flaschenhalsbrecherfabrik hergestellt werden?

Egal, ob Ersteres oder Zweiteres: Was für einen Sinn ergäbe das? Und vor allem: Was hat das alles mit „Killer-Maschinen“ zu tun? Kent Brockman, der Nachrichtensprecher im Fernsehen, berichtet von einem Skandal: Unweit unserer Haustüre existiert eine „Flaschenhalsbrecherfabrik“. Hä???

Hat denn da keiner in der Synchro-Redaktion gesagt: „Äh … Moment mal … das ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Wir können hier doch nicht einfach irgendein erfundenes Wort hernehmen, von dem kein Zuschauer kapiert, was damit gemeint sein soll!“?

Es ist ja kein Verbrechen, einen amerikanischen Slangausdruck wie „Bot“ nicht zu kennen, aber hätte das deutsche Synchro-Studio nicht mal bei Fox, den amerikanischen Simpsons-Produzenten, nachfragen können? Oder bei IRGENDEINEM Amerikaner?

Bisher gab es in diesem Blog noch keinen Beitrag, dessen Sätze mit so vielen Fragezeichen endete.

So viele Fragen offen,
Die alten Schriften längst verstaubt.
Nur der kann weiter hoffen,
Der an sich selber glaubt.

Simpsons-Fehl-Übersetzungen: Homoehe zu heikel?

Die Simpsons, Staffel 16, Folge 10: Drum prüfe, wer sich ewig bindet (There’s Something About Marrying)

Thema der Folge ist „Legale Anerkennung von homosexuellen Ehen“. Aufgrund von Touristen-Mangel beschließt Springfield, Homo-Ehen zu legalisieren. Hierzu wird ein Werbeclip gedreht, in dem ein lustiger Song gesungen wird. Da es sich bei der Serie „Die Simpsons“ um eine US-amerikanische Serie handelt, ist der Text des Songs konsequenterweise im Original englischsprachig. Er lautet so:

When my man and I shop for wedding gowns
we were mocked and shunned and pushed around,
but yesterday we found a place to be gay,
I’m going to marry my Harry in Springfield town.

Gay-o, it’s okay-o,
tie the knot and spend all you dough.
Gay-o, come stay-o.
Visit our website for further info

Wir hatten uns hier im CommuCon ja schon mal gewundert darüber, wie die Synchro mit der Übersetzung von Songs aus den Simpsons umgeht. Dabei hatten wir erwähnt, wie normalerweise mit fremdsprachlichen Texten aus Songs umgegangen wird: Der Song läuft im Original ab, während deutsche Untertitel ihn übersetzen.

Seltsamerweise aber nicht in dieser Folge. Hier wird der Song im Original abgespielt – aber ohne irgendeine Form von deutschen Untertiteln. Politisch zu heikel oder was?

Wenn mein Mann und ich Hochzeitskleidung kaufen gehen
werden wir verspottet, ignoriert und herumgeschubst
aber gestern fanden wir einen Ort, wo wir schwul sein können
Ich heirate meinen Harry in der Springfield-Stadt

Schwul-o, ist okay-o,
bind den Schlips und geb all dein Geld aus
Schwul-o, sei willkommen-o,
Besuch unsere Website für weitere Info

So hätte man das beispielsweise übersetzen und als Untertitel einblenden können. Aber offenbar hatte Pro7 keine Hoden dafür, weder Hete- noch Homo-, noch sonstwelche Hoden.

Simpsons-Fehl-Übersetzungen: Core Destruct

Die Simpsons, Staffel 16, Folge 1, „Vier Enthauptungen und ein Todesfall“ (Treehouse of Horror XV)

Auch das ist wieder mal so ein Fall, wo man sich fragt „Haben sich die damaligen Simpsons-Übersetzer die Folgen überhaupt angeguckt? Haben sie wirklich auf den Bildschirm gesehen?“.

In dieser Folge sitzt Homer an seinem Arbeitsplatz im Atomkraftwerk. Flanders muss ihn daran hindern, den Knopf zu drücken, der das Kraftwerk und damit ganz Springfield ausradiert.

Dieser Knopf ist mit zwei englischen Worten beschriftet, nämlich Core Destruct. Core = Kern, Destruct = Zerstörung.

Bildquelle: lockerdome.com

Nun ist man es ja von diesen Synchron-Künstlern gewohnt, dass sie sich nie auch nur die kleinste Mühe gegeben haben mit den Übersetzungen. Also erwarten wir hier auch den faulsten Weg, nämlich einfach wörtlich übersetzen: Kernzerstörung.

Was keine tolle Übersetzung wäre, aber der Zuschauer würde immerhin kapieren, worum es geht. Aber das Wort haben sie nicht verwendet. Auch nicht Selbstzerstörung. Oder Kernschmelze. Oder Super-Gau. Nein, stattdessen haben sie wieder mal eine Übersetzung abgeliefert, die nicht nur KEINEN Sinn ergibt, sondern NEGATIV-Sinn.

Sie haben es mit „Kernspaltung“ übersetzt.

Hey, überbezahlte Arbeitsverweigerer! Was glaubt ihr, wie so ein handelsübliches Atomkraftwerk Energie erzeugt? Habt ihr da so ungefähr ne Vorstellung? Nein? Passt auf. Da vorne steht ein Computer. Googelt das mal.

Wie bitte? Ihr habt gerade rausgefunden, dass in Atomkraftwerken Energie durch Kernspaltung erzeugt wird? Nein, echt jetzt??

Was sagt ihr? Dann ergibt das mit der Kernspaltung als Übersetzung von Core Destruct überhaupt keinen Sinn? Weil Kernspaltung ja eh den ganzen Tag ganz normal in einem Atomkraftwerk passiert? Und ein Kernspaltungs- Knopf würde dann ja genau das Gegenteil von dem bewirken, was er tut, nämlich das Kraftwerk einschalten, statt es in die Luft zu jagen??

Seht ihr. Deshalb hassen wir euch.